schönes südfrankreich! seit ein paar tagen lauf ich nur noch durch zauberhafte, wunderschön hergerichtete, alte dörfchen; durch sanfte landschaften; hab (tagsüber) supergeiles wetter, 25 grad und sonnenschein - aber morgens isses saukalt, alles ist gefroren und ich bin echt froh um meine lange unterwäsche. und bei so 'nen temperaturen gibts immer noch pilger, die draussen zelten. puh, nix für mich!
in limogne hab ich mich noch einigermassen auskuriert, bin am nächsten tag 'ne kurze etappe gelaufen, hab mich in 'nem kloster in vaylats nachmittags nochmal ins bettchen geschmissen und bin da endültig wieder auf die beine gekommen.
übrigens, für alle, die meine antwortkommentare nicht lesen (*tadel!* ;)): da ich keine dreadz mehr hab, können meine mitbewohner auch nicht aus den haaren gekrochen sein. ganz abgesehen davon, dass in dreadz auch nix lebt! mannmannmann... ;)
erstaunlicherweise treff ich gerade jetzt wieder viele, die durchgehen wollen bis santiago. und ich dachte schon, die saison wär vorbei und ich wander ganz allein durch schnee und kälte... weit gefehlt also. und ein gutes gefühl zu wissen, dass da noch andere sind.
wenn es auch total schade ist, dass ich hier die pilger kommen und gehen seh. viele pilgern eben doch in etappen, und da triffst du die gleichen menschen immer wieder, manchmal auch mehrfach am tag, über ein oder zwei wochen... und dann fahren sie heim. *hmpf* ich vermiss meine essenerinnen, meine augsburgerinnen und meine husumer!! und mit gudula lauf ich morgen auch nur noch bis moissac. sowas blödes! werd sie tierisch vermissen, jawoll!
das tolle am weg ist ja auch, dass man mit menschen zusammen kommt, mit denen man im normalen leben nie zu tun hätte. wie sagte ein pilger so treffend: auf dem weg hast du keine geschichte und keinen nachnamen. genau so isses, und genau so isses gut.
mein seelisches tief ist auch vorbei; woher das kam und wo das hin ist, weiss ich selbst nicht. jedenfalls bin ich wieder mit viel freude, zufriedenheit und sonne auf dem weg.
neulich lief der camino auf einer alten römerstrasse, dem cami ferrat. da fühl ich mich doch sehr eingebunden in die geschichte, höre fast die wagenräder antiker tuchhändler auf dem boden knirschen, seh cäsars legionen marschieren (in ihren sandälchen, die ärmsten! und ohne blasenpflaster...). und überall diese alten kirchen, das alte land... warum eigentlich spürte ich sowas nie auf der nürnberger burg? warum muss ich erst davon rennen, um all das gute zu erkennen, was mir vor den füssen lag? und woher in aller welt wissen es all die anderen, ohne da draussen gewesen zu sein?
nun... da draussen ist es gerade ja gar nicht so schlecht. ich sitz in einer feudalen gîte, hab heute den luxus einer waschmaschine genossen und darf morgen weiter durchs schöne frankreich maschieren. c'est formidable, non? ;)
bonne nuit et à bientôt!
sandra
koboldin - 23. Okt, 18:15
erst mal viiiiiiiiieeeeelen dank für eure zahlreichen emails, smse, anrufe, kommentare... ihr seid einfach super!! es tut total gut zu wissen, dass ich nicht vergessen bin. danke!!
erst war das ein ganz seltsamer tag; hab mich gefragt, was ich hier eigentlich zu suchen hab. einfach alles war sehr surreal, fremd - ganz eigenartig. ich war auch früh in der unterkunft angekommen und alles sah ganz danach aus, als würd ich "meinen" tag mehr oder minder einsam im gîte verbringen, früh ins bett gehen... dann kamen die drei husumer, also 'ne kleine pilgergruppe aus husum, die ich schon früher mehrfach getroffen hatte; jan lud mich gleich zum abendessen ein, sie wollten pfannkuchen machen... also, meine leibspeise! einfach genial! schlussendlich waren wir zu sechst in der herberge, haben ordentlich wein getrunken, pfannekuchen gegessen - und sogar 'nen kleinen geburtstagskuchen mit kerzen hab ich gekriegt. einen schönen abend hab ich da noch geschenkt bekommen, das hat mich riesig gefreut. dass dann mitten in der nacht ohne ersichtlichen grund der feueralarm losging und alle halbnackt und ratlos im flur rumstanden, war ein witziger abschluss! *hihi*
noch mehr gefreut hab ich mich allerdings über eure anrufe und smse; die emails und kommentare konnt ich ja jetzt erst lesen. das hat sooo gut getan, mal wieder mit vertrauten menschen zu sprechen, mit euch eben, die ihr mir nah seid - auch in der ferne.
nu sitz ich hier in limogne schon den zweiten tag - schon wieder pause, weil mich 'ne fette erkältung vom weitergehen abhält. schade - aber andererseits ja auch völlig egal, den einen tag hin oder her. und die erkältung kommt auch nicht von ungefähr: hatte ich mir nämlich kleine mitbewohner eingefangen - milben oder läuse, keine ahnung, und der doc, dem ich mein problem geschildert hab, hat mir naürlich den chemiehammer verschrieben. puh, keine 20 minuten nachm einschmieren ging die luzie ab, und seit dem häng ich mit der fetten grippe rum. aber diese lästigen biester bin ich alleine eben nicht losgeworden, und darum: ein hoch der schulmedizin! ;)
hinter figeac hab ich endlich den ersten dolmen gesehen, eingehend bestaunt, fotografiert und in mich aufgenommen; das ist schon was feines, faul in der sonne auf 'nem alten stein liegen... *hihi*
danach hatte ich allerdings gar keinen guten tag, fühlte mich mir selbst total fremd und fern, wusste gar nicht mehr, wer ich bin, was ich will, wozu ich hier bin... ganz schön tief lässt mich der weg blicken, dafür bin ich dankbar, auch wenn es manchmal schmerzhaft ist.
nu gehts mir seelisch wieder gut, dafür läuft die nase. wat is nu besser? ;))
ich treffe nun auch wieder mehr pilger, die den weg ganz gehen wollen - herrmann aus graz, der gestern lockere 50 kilometer gelaufen ist. puh, also da fällt mir nix mehr ein! 30 km, meinetwegen 35, das schaff ich unter günstigen umständen auch. aber 50! und gerade jetzt, wo die tage nicht mehr so lang sind... alle achtung. und heut früh kam christian aus dem wald, der da zeltete und sich morgens in den gîtes immer frisch macht. ein nürnberger! wir haben erst mal ausführlich miteinander gefrühstückt, bis er dann weiter ist - und ich ins bett... morgen, hoff ich doch, gehts besser! das wetter hier ist fantastisch, dauersonne, 25 grad, und ich sitz in der unterkunft, statt das leben auf dem weg zu geniessen?! na, mal sehen, wie es der nase morgen geht.
euch allen nochmal viiiiiieeeeelen dank für die glückwünsche, fühlt euch feste gedrückt und lasst es euch gut gehen!
sandra
koboldin - 19. Okt, 15:26
ich hab die hälfte, waaaaaahooooooooooo! um genau zu sein, sogar schon mehr - ca. 1270 sinds noch, 1370 habbich schon. juhuuuuuu!!
dafür haben doch tatsächlich meine schuhe neue sohlen gebraucht. sowas?! ich dachte, ich lauf mit denen nach santiago... die schuhe selber sind mittlerweile auch schon ganz schön fertig, aber es hilft nix, die gehen mit mir ans ende der welt und basta.
hinter le puy ist der weg nun relativ voll geworden. jeden tag treff ich mehrere pilger - wenns auch meistens die gleichen sind. viele deutsche sind unterwegs, "wir" bilden tatsächlich den löwenanteil der pilger.
und das hundeproblem hat sich auch in wohlgefallen aufgelöst, weil die hier so sehr an pilger gewöhnt sind, dass sie meistens völlig entspannt liegen bleiben und vielleicht gerade mal 'ne augenbraue heben. super!
und ach... die welt ist wunderschön! hinter le puy gings dann richtig rein ins vulkangebiet; hügelig, mit dunkler, roter erde, die alten französischen steinhäuschen dazwischen - wirklich ganz ganz schön. und nun, wo es herbst ist, ist es morgens beim losgehen meist sehr neblig; da ist die welt sehr still, alle geräusche sind gedämpft, es ist kaum was zu sehen... ich mag diese stimmung sehr. wenn ich auch gestern deutlich das gefühl hatte, die grenze in den süden, nach südfrankreich (das geographisch gesehen vermutlich wo ganz anders liegt) überschritten zu haben. es ist sehr viel wärmer hier, gestern in der sonne meinte ich, es sei hochsommer in deutschland (wenn die sonne auch mittlerweile sehr tief steht. solche details krieg ich sehr, sehr deutlich mit, wo ich ja jeden tag draussen bin), die architektur ist anders, dann und wann sind palmen zu sehen - und gestern konnte ich mir den bauch vollstopfen mit frischen feigen, direkt vom baum. hmmmmmm! überhaupt beschenkt mich die natur im moment sehr grosszügig: frische feigen, esskastanien in massen - sehr fein abends, gekocht oder gebraten! - äpfel, walnüsse... es ist bald wie im schlemmerland!
und tiere seh ich hier: feuersalamander, gottesanbeterinnen (die ich seit meiner kindheit bewundere), viele, viele schmetterlinge, milane, schlangen... und eeeesel!!!
eine landschaft, die mich sehr berührt hat, ist das aubrac. ah, wunderland! ich war gar nicht darauf gefasst, so eine zauberwelt hier zu finden; aber diese karge, hügelige hochebene, wo du nur himmel und steine siehst... ah! aubrac! hat mich echt verzaubert... und in dieser unglaublichen landschaft durfte ich dann auch noch in einer mongolischen jurte schlafen. ah, ist das leben schön!
ich lauf immer noch am liebsten alleine, wenn ich auch gelegentliche gesellschaft sehr schätze. aber alleine... da kann ich mich mehr auf den weg einlassen, auf die landschaft, die atmosphäre; kann lachen, singen, weinen oder stehenbleiben, wann immer mir danach ist. da berührt mich die welt einfach viel tiefer.
aber es hat immer wieder menschen auf dem weg, mit denen ich gerne ein paar kilometer teile: vier mädels aus essen, mit denen ich zwei abende lang echt viel spass hatte (viele grüsse übrigens - gut daheim angekommen? ;)), joël aus den pyrenäen, sechs heitere mädels aus augsburg, nahe der heimat, die den weg seit sieben (!) jahren in etappen gehen; gudula aus hamburg, jean aus frankreich... und sonia aus quebec, die mit ihrem pferd unterwegs ist, hat mich auch sehr berührt. ja, es begegnen mir viele besondere menschen, und auch dafür bin ich sehr dankbar.
und hey! ich sagte ja, es ist einiges los auf dem weg. im sommer möcht ich hier echt nicht unterwegs sein!
natürlich gibts auch unangenehme tage - vor 'ner knappen woche hat es ordentlich geschifft, und ich bin - mit schirm - trotzdem tapfere 28 km gelaufen. und hab mich mal wieder verfranst, bin schön brav auf 'nen hügel hoch, über eingewachsene, kleine wege, durch den klatschnassen wald; über stock und glitschigen stein - um nach 'ner stunde festzustellen, dass ich total falsch bin. also den ganzen unbequemen weg wieder retour, wo mir mittlerweile echt das wasser in den schuhen stand. so ists nun mal!
dafür hats dann auch wieder gelegenheiten wie gestern, als im schönen figeac alle gîtes entweder zu hatten oder voll waren, aber ich mit drei anderen mitpilgern eine total putzige alte wohnung mieten konnte, für einen echt ordentlichen preis. super! und dann auch noch 'n tag pause heute - herz, was brauchst du mehr?!
und... der weg lehrt mich viel, und ich finde definitiv, was ich suchte. zum beispiel - nachdem ich nun in vielen verschiedenen betten geschlafen, viele unterschiedliche herbergen kennengelernt habe, jeden tag von ort zu ort tingle - ein eigenes zu hause zu schätzen. aber auch dazu brauchte ich erst einmal abstand, den blick aus der ferne. wie gut!
so... dann versuch ich mal wieder, ein paar fotos hochzuladen und schick wie immer ganz, ganz viele grüsse nach hause und in die welt hinaus. lassts euch gut gehen!
koboldin - 15. Okt, 13:05
so, ihr lieben leute... bis le puy en velay hab ichs geschafft! lockere 1100 kilometer hab ich hinter mir, gerade noch 1500 liegen vor mir. tschakka!!
dem aufmerksamen leser ist nun auch nicht entgangen, dass ich eben nicht die route über arles, also südfrankreich gewählt habe, sondern quer durch geh - dafür gibts mehrere gründe: erst mal geh ich davon aus, dass ich kein jakobsjunkie werd und diesen weg nur einmal geh - und dann will ich die ganz klassische, "echte" route. ausserdem wirds eh schon november, bis ich an den pyrenäen bin, das ist schon schnee und winter genug, das muss ich nicht noch nach hinten schieben. und dann... gehts einfach schneller, dass ich wieder heimkomm... ich bin jetzt fünf monate unterwegs, und bis santiago sinds noch zwei bis drei... genug gestreunt! deshalb also le puy und nicht arles.
trotzdem war der moment, als ich an der abzweigung vorbeiging, ein ganz besonderer. da stehst du also an dieser bedeutenden kreuzung und du weisst: da runter, da tragen mich meine füsse nach arles... d'accord!
frankreich ist wunderschön, ich hab das gar nicht erwartet. mittlerweile bin ich in der auvergne gelandet, eine beeindruckende vulkanlandschaft, ganz zauberhaft. (aaaah, diese französische tastatur macht mich wahnsinnig!!)
die letzte zeit bin ich echt durchs niemandsland gewandert - keine läden, keine internetcafés, keine menschen; nur wald, wiese, hunde, baguette, wege, noch mehr hunde (*argh!*), café au lait...
das mit den unterkünften ist in frankreich einfacher; es gibt zwischen genf und le puy die möglichkeit, bei privatleuten unterzukommen. das nennt sich dann "accueil jacquaire", man kriegt ein feines französisches abendessen mit feinem französischem wein, ein gemütliches bett und ein frühstück, und das alles zu einem guten, nämlich selbst bestimmten preis. ausserdem hat es allenthalben gîtes, 'ne art wanderherberge, und auch die sind sehr, sehr günstig. meinen finanzen tut frankreich echt gut!
das laufen macht richtig freude zur zeit; ich komm super vorwärts, lauf jeden tag (ja gut, heut mal nicht - aber hey, in le puy is ne pause pflicht! ;)) 25 bis 30 kilometer, und so ist sogar spanien mittlerweile in greifbare nähe gerückt.
es hat so tage, da weiss ich gar nicht, wo die kilometer hin verschwinden, da hab ich mittags schon 18, 20 km geschafft, und es fühlt sich alles an wie ein langer spaziergang. na, und dann hats natürlich die tage, wo ich um jeden kilometer kämpfen muss, wo jeder schritt und jeder meter anstrengt und nervt. gute und schlechte tage eben, ganz wie im richtigen leben...
nun, frankreich... nach der schweizer grenze gehts erst mal durch savoyen, eine ganz, ganz zauberhafte gegend. sanft, lieblich, hell und licht - und weit! auch die schweiz ist schön, aber durch die vielen berge eben recht eng. wie sehr mir die weite gefehlt hat, hab ich erst festgestellt, als ich sie endlich wieder spüren und sehen durfte...
teilweise ist es mir dann doch ein bisschen einsam geworden: morgens alleine frühstücken, den ganzen tag alleine durch die gegend wandern - ohne eine menschenseele zu treffen; sag mal... wo sind die denn alle? -, abends alleine in der gîte... das ging ein paar tage so, bis ich endlich, endlich einen pilger getroffen hab, urs aus uznach, das ist gar nicht weit von einsiedeln. nach zwei stunden gemeinsamen laufens ist jeder aber wieder seiner wege gegangen - ich bin und bleibe eben doch einzelpilgerin... aber: es hat also doch noch andere menschen auf dem weg! wenn auch die sommerlichen pilgerströme zum glück schon vorbei sind...
die stille auf dem weg, in der natur; das alleinsein; das geniesse ich alles sehr (ich werd noch sonderlich, ich sags euch...) - aber dazwischen hat es dann doch eben ein bisschen heimweh (an der rhône entlang, da gibts viele pappeln, die nun natürlich gerade ihre blätter verlieren... der geruch des laubes, die umgebung, so vieles hat mich an zu hause erinnert, an die pegnitz... das waren ein paar harte momente).
und: die hunde; *waaaaaaah!* freilaufende, unangeleinte, unbeaufsichtigte wachhunde; sagt mal, ihr lieben franzosen... gehts noch?! ich krieg mittlerweile echt schweissausbrüche, wenn ich an nem hof vorbeikomm und das tor offen ist. diese jungs nehmen ihren job echt ernst... und wir reden hier nicht von pudeln!! *tssss*
und etwas unidyllisch ist natürlich auch die jagdsaison, jetzt, im herbst. gerade am wochenende ist anscheinend halb frankreich im wald unterwegs... diese schüsse ständig, blutspuren im wald - na danke. weil ich das ja grad so geil find! *hmpf*
aber: ja - die franzosen sind freundlich. ich bemüh mich ja redlich, die sprache zu lernen, und wenn die menschen langsam und deutlich mit mir sprechen, versteh ich mittlerweile auch einiges (trotzdem komm ich mir dann immer etwas zurückgeblieben vor, wenn sie auf mich einreden wie auf ein krankes pferd... *g*). nur leider verführt mein hinweis, dass ich aus deutschland bin und nur ein klitzekleines bisschen französisch spreche, die menschen nur dazu, sehr freundlich, schnell und wortreich auf mich einzureden. *hihi*
also: ich gewinne frankreich richtig lieb, ich geniesse es, die sprache zu lernen; ich geniesse all den leckeren käse und die wunderschöne umgebung, die alten haeuser und kirchen - und, nachdem ich mittlerweile auch ziemlich weit südlich bin, auch das sonnige und milde wetter. ja, ich kann verstehen, warum menschen immer wieder hierher kommen.
und nachdem ich marlis vorgestern wieder getroffen hab, ist es momentan auch nicht mehr ganz so einsam. wobei ich immer wieder feststelle, dass ich auf dauer fürs zusammen laufen nicht gemacht bin...
so. morgen gehts raus aus le puy; eine wunderschöne, alte stadt - und nach der langen zeit in der pampa kommt mir dieses dorf mit seinen 22.000 einwohnern vor wie eine grossstadt... *hihi*
jetzt hol ich mal noch die antworten auf eure zahlreichen kommentare nach (also bitte auch alles nachlesen, ja?! ich kämpf mir hier nicht umsonst einen ab mit dieser bescheuerten französischen tastatur!!), die mich immer wieder tierisch freuen! - und dann müsst ihr euch bis zum nächsten internetcafé wahrscheinlich wieder a bisserl gedulden. aaaalso: a bientôt!
koboldin - 4. Okt, 13:55
huhuu, jaha, es gibbet mich noch!
die franzosen, die netten, wortreichen franzosen (mit einer voellig anders gestalteten tastatur, mqn verzeihe mir eventuelle tippfehler) verfuegen leider ueber noch weniger internetcafés als die schweizer. ich bin hier auch nur online wegen meiner ueberaus freundlichen accueil-jacqueire-beherbergerin, deshalb fasse ich mich kurz:
nach ein paar schoenen tagen in genf (nochmal ein grosses dankeschoen, antoine!) hab ich mich auf den letzten metern in der schweiz natuerlich noch verlaufen. seit der franzoesischen grenze (und die war noch unspektakulaerer als die schweizer - ein schlagbaum, kein zoellner - wie soll man denn da grenzuebertrittsgefuehle entwickeln?!) ist das alles anders; hier ist echt fast an jedem baum und strauch ein muschelsymbol. die franzosen sind, wie schon erwaehnt, sehr freundlich, was auch daran liegen mag, dass ich mein franzoesisches vokabular taeglich erweitere. ja, ich kann jetzt auch schon in ganzen saetzen sprechen! *hihi*
die haelfte der strecke nach le puy hab ich schon, dh. ca. 175 franzoesische kilometer. kurz zur erinnerung: le puy 350 km ab genf, pyrenaeen ca. 1100 km, und dann war da noch spanien. also mal sehen...
so, das solls fuer heut mal gewesen sein, auch wenn ich noch viel mehr erzaehlen koennte. nur noch so viel: es geht mir gut, bisher traegt auch der herbst noch sein sonniges gesicht, und es fuehlt sich richtig gut an; strecke zu machen, naemlich jeden tag mindestens 25 km.
das naechste mal gibts hoffentlich mehr von mir - bis dahin viele viele gruesse und alles liebe!
koboldin - 25. Sep, 20:04
huuuuuiiiii, angekommen. ich bin daaaaaaa, juhuuuuu!!
da braucht es also nur sechs wochen wanderung, 750 kilometer, und schon bin ich da, im zentrum der neutralität - oder eher: im zentrum des kapitals. in genf!
ich kanns ja selber noch kaum glauben, das ist so unwirklich... obwohl ich so lang gebraucht hab, um hier anzukommen.
aber es gibt noch viel zu erzählen (also vorsicht, das wird eine längerer eintrag!), die letzten tage waren ein bisschen turbulent; also mal sehen, wo fang ich an...
fribourg - autigny, montag
das war eine wunderschöne etappe; alte brücken, alte klöster, schöne kirchen, lichte wälder. der weg kann soooo schön sein!
in der jugi hatte ich noch marlies kennengelernt, eine alte pilgerhäsin, die schon mehrfach in spanien auf wegen unterwegs war und jetzt von berlin nach santiago pilgert. am stück. ordentlich! wir sind einen teil miteinander gegangen, haben uns dann getrennt, aber für mittwoch abend in lausanne verabredet.
ich bin also weiter nach autigny, ohne mich vorher um 'ne unterkunft zu kümmern; das mach ich mittlerweile immer so, weils mir oft genug passiert ist, dass auf dem weg noch irgendwas interessantes kam und die reservierung total unnötig war. das kann, muss aber nicht nach hinten losgehen.
hm.
in autigny tauch ich also bei madame schneider auf, die ein pilger-b&b führt. sie spricht kein deutsch oder englisch, und ich kein französisch. das hat sie nicht davon abgehalten, mir total nett und sehr wortreich zu berichten, dass sie - "dommage, dommage!" - nichts frei hat, weil heute drei pilger aus fribourg schon reserviert haben. aber ob ich nicht 'nen kaffee will? selbstgebackene plätzchen? und sie erzählt und erzählt, ich versteh nichts oder nur brocken, und frag mich die ganze zeit, wo ich denn jetzt übernachten soll... aber alles kein problem, sie ruft ihre nachbarin an, besorgt mir 'nen schlafplatz bei der ebenso gütigen madame haller (die glücklicherweise deutsch spricht!) - und wehrt meine versuche, mich dagegen zu wehren, dass sie mich mit dem auto hinbringt, mit einer lässigen geste ab. voila!
mit madame haller hatte ich ein wunderbares abendessen (ratatouille, legga!) und frühstück, und sehr berührt von den gesprächen mit ihr und überhaupt von ihr bin ich am nächsten morgen los.
autigny - moudon, dienstag
das war auch eine wunderschöne strecke, wenn auch überwiegend über asphalt. hu, das schlaucht, das ist ziemlich anstrengend für die beine. glücklicherweise gings die letzte stunde an der broye entlang, einem putzigen kleinen fluss, auf kieswegen.
die tourist info in moudon hat mir dann eine witzige unterkunft vermittelt - nämlich im örtlichen hebammenhaus. hätte also gut sein können, dass mitten in der nacht 'ne werdende mutti auftaucht und es etwas laut wird. *hihi*
is aber zum glück nicht passiert, und so hab ich wunderbar geschlafen.
moudon - lausanne, mittwoch
das war 'ne harte etappen, meine güte! in meinem heftchen meinen sie was von sieben stunden, mit pausen hab ich mit acht oder neun gerechnet. und war dann eben geschlagene zehn stunden auf der strasse, u. a. weil ich mich zweimal verlaufen hatte. heidewitzka! und schön heiss war es an dem tag auch... dafür bin ich auf halbem weg einer gruppe von leuten begegnet, die einen wanderstock durch die schweiz tragen, der schon von konstanz nach santiago gegangen ist. und diese menschen wiederum haben mir einen lieben gruss von marlies ausgerichtet; sie sei also tatsächlich auf dem weg nach lausanne und heut abend in der jugi zu finden. na, dann!
um halb sieben war ich endlich angekommen (und die kirche war schon zu, also hab ich keinen stempel gekriegt - *hmpf!*) - und der anruf in der jugi lässt mich wissen, dass es zu fuss nochmal 40 minuten dorthin sind. puh! no way, denk ich, und mach mich auf die suche nach der bushaltestelle. so einfach war das nicht; eigentlich alle, die ich nach dem weg gefragt hatte (sogar auf französisch!), hatten selber keine ahnung, weil sie nicht in lausanne wohnen. tja nun!
kurz und gut, wie das leben dann so spielt: die letzte, die ich fragte, beatrice, ist erst ein stück mit mir herumgeirrt, meinte erst, ich solle die metro nehmen, fragte selbst noch ein paar leute, verlor dann die geduld - und hat mich mit dem auto hingefahren. sowas?!
in der jugi wollt ich eigentlich nur essen - duschen - schlafen, aber einmal war ja marlies da und noch drei pilger aus altötting, die ich vorher schon getroffen hatte.
und ausserdem war da noch säbi! (*zwinker*) die älteste tochter von schuler's, meiner "gastfamilie" im alpthal (lieben gruss übrigens dahin!), die ja mittlerweile als au pair in lausanne gelandet ist. wir wollten uns unbedingt treffen, wenn ich da angekommen bin.
also! statt essen - duschen - schlafen hatte ich einen wunderschönen abend mit all diesen lieben menschen, und hab dann eben dafür, dass der tag so hart war, viel zu wenig schlaf abgekriegt. aber naja... es gibt wichtigeres!
lausanne - allaman, donnerstag
die zweieinhalb stunden hinter lausanne gehören zu den schönsten wegetappen überhaupt. wenn ich nur einen tag gehen dürfte, nur eine strecke wählen müsste, so wär das diese. ich war ganz verzaubert! es ging direkt am genfer see entlang; relativ früh morgens, kaum menschen unterwegs; das plätschern des sees, die vögel...
ich geh also los, lass mich wieder überraschen wegen der unterkunft. buchillon hab ich angesteuert, 'ne kurze etappe nach dem anstrengend tag, nur fünf stunden. nur leider gabs die gewünschte unterkunft da nicht mehr... blödblödblöd.
ich also meine liste ausgepackt und rumtelefoniert. einen ort weiter hab ich jemanden erreicht - aber die gute madame couderay spricht leider auch nur französisch. nu ja, radebrechend hab ich mich verständlich gemacht (das klingt vermutlich immer nach: "ich hier schlafen heute? bitte?" *hihi*) und hab auch 'ne zusage gekriegt.
lauf ich also noch die paar kilometer bis allaman, will mich am örtlichen aushang nach der lage meiner unterkunft umgucken; da steht ein schweizer, bonjour, man ist ja freundlich. wir kommen ins gespräch - denn zum glück hat er englisch gesprochen. ah, gewohntes terrain!
zusammen haben wir dann, nach ein paar netten gesprächsminuten, nach meiner unterkunft geguckt, und nix gefunden. ein hin und her - er packt sein navi aus, lässt nicht locker, will mich hinfahren. beide handys funktionieren nicht, so dass wir dort auch nicht anrufen können. fahren wir also los, sein navi findets nicht, schickt uns erst vor, dann wieder zurück...
letztendlich: ein anruf bei der madame hat ergeben, dass die unterkunft direkt gegenüber lag, auf der anderen strassenseite der stelle, an der wir ins gespräch gekommen sind. *g*
und weil wir uns grad so gut verstanden haben, sind wir zusammen noch in morges essen gegangen und hatten bei pizza und pasta ganz wunderbare gespräche. antoine, banker in genf, hat mich zu guter letzt auch noch eingeladen, bei ihm unterzukommen, wenn ich in genf bin. hui, vielen dank für alles!
allaman - nyon, freitag
ja... in nyon bin ich letztlich auch finanziell am genfer see angekommen. *schluck*
sorglos wie immer, guter dinge bin ich am morgen von allaman losmarschiert - auf mittlerweile unschönen wegen, weil das ufer des sees überwiegend verbaut ist mit privatgrundstücken; dh. es geht hinten rum, über asphaltwege... *grummel* (und an dicken villen vorbei. haja, da sieht man schon, wo das geld liegt...) wenn ich nochmal gehen müsste/wollte/sollte, würd ich nur noch von lausanne nach morges laufen und von dort mit dem schiff nach genf weiterfahren. aber hinterher is man ja immer schlauer!
ich wollte in pragnins unterkommen, was wieder nicht geklappt hat; hab bei mehreren adressen angerufen, niemanden erreicht. sass unschlüssig vor der kirche rum, bis rupert vorbei kam, ein pilger aus münchen. wir quatschen ein bisschen, er geht weiter, denn er hatte ja schon 'ne unterkunft... schlussendlich bin ich noch die halbe stunde gelaufen bis nyon, wo grad high life war, weil der zirkus knie gerade gastiert. kurz und gut: alles, wirklich alles war ausgebucht. die privaten unterkünfte voll oder nicht erreicht; die hotels zu teuer oder voll... ich steh - unschlüssig - im hauseingang der tourist info rum - die schon zu hatte -, überleg mir gerade, ob ich vielleicht bei den artisten anklopfen soll, so 'ne nacht im bauwagen... da spricht mir eine freundliche schweizerin an, ob sie helfen kann? kurzentschlossen hat sie das heft in die hand genommen, mir - dank ihrer französischkenntnisse - ein hotel (!!) in st. cergue besorgt, einem bergdorf, 20 kilometer weiter... aber eben die günstigste unterkunft, "nur" 70 franken die nacht... und fährt mich auch noch hin!
mir ist das schon echt unangenehm, jeden tag die hilfe dieser guten menschen... als ob ich selbst zu unfähig bin!
nyon - genf, samstag
fahr ich also am nächsten morgen von st. cergue mit dem zug nach nyon. und überlege, was ich tue, denn: von fribourg aus hatte ich mir selbst ein packerl nach mies geschickt, ein kaff "kurz" vor genf, mit den unterlagen für frankreich. damit ich das zeug nicht den ganzen weg mitschleppen muss. dass ich natürlich ausgerechnet an einem samstag da ankommen würde... ich dachte schon, dass ich mich beeilen muss und mit dem bus/zug nach mies fahren, weil die post vermutlich am mittag schliesst. nun... bin ich also in den zug, den rest noch gelaufen, und komme um 11.23 uhr in mies an der post an. die seit 23 minuten geschlossen hatte. und mein päckchen liegt also ebenso unschuldig wie unerreichbar da drin... und: am montag ist feiertag. das heisst, ich kann das packerl frühestens am dienstag abholen. juhuu!
was tu ich denn nun so lang...? ich bin immer noch - unschlüssig... *seufz*
erst mal bin ich weitergelaufen nach genf, hab mich gefreut, auf die stadt, auf den see, auf das zentrum der neutralität... und komme, wie gesagt, an im zentrum des kapitals, wo mich die wto als eine der ersten institutionen empfing. da hat mich erst mal eine ungeheuere traurigkeit überkommen... das geld der welt liegt in genf, in kalten tresoren; und so lang das geld da liegt, wird sich auch nix ändern. es ist doch genug für alle da auf dieser welt, aber solange ein paar wenige das meiste für sich beanspruchen und bunkern, so lange werden menschen hungern, kinder sterben, so lange wird sich am elend der welt nix ändern.
ich hätte heulen können.
so ist das auch manchmal auf dem weg; plötzlich hab ich ganz intensive empfindungen, gedanken und erkenntnisse, aber das da, kurz hinter der stadtgrenze von genf, das hat mich total unvorbereitet erwischt.
zum glück hab ich zufälligerweise rupert wieder getroffen, den münchner; wir sind zusammen pizza essen gegangen, hatten einen tollen abend mit interessanten gesprächen (und einem viersprachigen kellner - ein deutscher slowene in genf, der in ingolstadt zur schule gegangen war *hihi*) - und das, der jugendliche, lebhafte, internationale flair hier (nicht überall starrt die stadt vor geld) hat mich wieder ein bisschen versöhnt.
nun... erst am dienstag kann ich in mies mein packerl holen. erst mal weiterzugehen, ist ziemlich sinnfrei; die grenze hab ich von hier aus schon in drei stunden erreicht, und dann hab ich keine ahnung wegen unterkünften... und je weiter ich weglaufe, desto länger muss ich mit bus & bahn zurück... also, denk ich, bleib ich noch ein paar tage hier, hol am dienstag meine post und geh dann weiter. dürfte hier ja noch genug anzugucken sein!
so, nun hab ich euch hoffentlich nicht zu sehr beansprucht mit meinem redeschwall, aber naja... es ist halt viel passiert!
alles liebe in die heimat und hinaus in die welt!
sandra
ps: ich kann leider, leider keine fotos hochladen hier... aber die dreadz... *hihi* also, mir gefällts! ;))
pps: nicht böse sein, dass ich erst mal nicht zurück-kommentiere; aber für diesen mega-eintrag hab ich nun schon geschlagene eineinhalb stunden gebraucht. aber - das kommt noch, versprochen!
koboldin - 16. Sep, 08:07
*uff*
das war ein harter tag. zehneinhalb stunden auf dem weg, was über 30 kilometer. deshalb hab ich grad auch gar keinen nerv, besonders viel zu schreiben. es ist zu spät, ich bin zu kaputt - warum bin ich eigentlich noch nicht im bett?
egal.
ich wollte nur ein lebenszeichen von mir geben: bin gut am genfer see angekommen, hab noch nicht viel von ihm gesehen - und alles weitere gibts, wenn ich wieder zu kräften gekommen bin. also ein bisserl geduld bitte!
es grüsst euch eine heut total feddiche
sandra
koboldin - 12. Sep, 23:01